Montag , 21 August 2017
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Hizb-i-Islami: Afghanistan verfällt in den Bürgerkrieg

Hizb i Islami Dr. Ghairat Baheer

Hizb i Islami Dr. Ghairat Baheer

Kabul – Afghanistan wird in den Bürgerkrieg zurückfallen sobald die amerikanischen Truppen das Land verlassen, Friedensgespräche haben jetzt keinerlei Aussichten auf einen Erfolg. Zu dieser Aussage kommt einer der Schlüsselfiguren, der die Verhandlungen mit dem Aufständischen führt.

Ghairat Baheer, ein hochrangiger Mitarbeiter der Hizb-i-Islami, der auch persönlich an drei Verhandlungen mit US-Beamten in Kabul beiwohnte, äußerte sich gegenüber dem Daily Telegraph. Darin nahm er Bezug auf die von Hillary Clinton getätigte Aussage von letzter Woche, dass das Haqqani Netzwerk – welches Verbindungen zur Taliban hält und aktiv unterstützt – sämtliche Hoffnungen auf ein Verhandlungsergebnis zu Nichte gemacht hätte.
Zudem äußerte er, dass die ohnehin schlecht ausgerüsteten afghanischen Streitkräfte nach Abzug der US-Kampftruppen bis Ende 2014, der Bedrohung durch die aufständischen Gruppen kaum Widerstand leisten können.
“Die Amerikaner haben ihre eigene Kalkulation und werden die Kosten auf das notwendigste reduzieren und ich glaube nicht, dass die nationale Armee und die nationale Polizei in der Lage sein wird  überhaupt Widerstand leisten zu können. Sie haben nicht genügend Moral”, sagte er. “Dies wird zu einem Bürgerkrieg führen”.

Ghairat´s Vorhersage von “Chaos” widerspricht der optimistischen Einschätzung des britischen Verteidigungsministers Philip Hammond, der sagte dass seine britischen Truppen Afghanistan sogar eher als wie Ende 2014 verlassen könnten. In einem Interview mit dem Guardian behauptete er das seine Kommandeure “überrascht darüber sind, wie sehr die Afghanen bereits eigenständig den Großteil der einzelnen Kampfhandlungen bei den militärischen Einsätzen durchführen und übernehmen”.

Das Gespenst des Bürgerkrieges ist das Worst-Case Szenario mit dem sich die NATO Kommandeure vorsehen, während sie langsam die Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Streitkräfte übergeben. Die Strategie der schrittweisen Sicherheitsübertragung ist gekoppelt an die Fortschritte die sich aus den Gesprächen mit den Aufständischen und den Taliban-Führern ergeben.

Anfang der Woche sagte General John Allen (Kommandeur der NATO geführten Truppen in Afghanistan), dass mittlerweile mehr als drei Viertel der afghanischen Bevölkerung in Gegenden leben in denen bereits die regionalen afghanischen Sicherheitskräfte die Kontrolle übernommen haben. Und in dieser Woche übernahm die Regierung von Kabul die Kontrolle über das Bagram Gefängnis, welches seit jeher als Symbol der amerikanischen Brutalität und angesehen wurde. Die Übergabe des Gefängnisses wurde als ein Sieg der afghanischen Souveränität gefeiert. Dr. Baheer war sechs Jahre lang in US Gefangenschaft. Während dieser sechs Jahre wurde er in verschiedene Gefängnisse untergebracht, darunter auch im Militärgefängnis von Bagram. Als einer der Teilnehmer einer derzeit entstehenden Aussöhnungsbewegung, traf sich Dr. Baheer in Kabul bereits drei mal mit amerikanischen Verantwortlichen und kommt zu der Feststellung, dass es kaum oder keine Aussichten auf Fortschritt und Frieden gibt.

Die Hizb-i-Islami hat die Gespräche mit der afghanischen Regierung aufgrund der engen Allianz mit den USA beendet. Ghairat sagt, dass durch das blacklisten des Haqqani Netzwerkes es nun den Taliban unmöglich ist, Verhandlungen zu führen. “Es ist OK auf Al-Kaida zu verzichten, aber wie können sie auf Haqqani verzichten, wenn er und seine Leute Teil der Taliban sind? Dies macht alle Verhandlungen und Chancen einer Einigung unmöglich”, sagt er. Stattdessen betont er nochmal, dass eine nationale Regierung mit der Taliban und der Hizb-i-Islami gegründet werden muss um ganz Afghanistan repräsentieren zu können.

Quelle: Telegraph vom 14.09.2012, Rob Crilly

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