Freitag , 23 Juni 2017
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Aus Verzweiflung: Vater verkauft Baby für 140 US-Dollar

(c) CBS

Es war eine Entscheidung die aus unvorstellbarer Verzweiflung und Hilflosigkeit geschah. Um für lediglich eine gewisse Zeit seine Familie über die Runden zu bringen, sah ein Familienvater aus der Provinz Parwan, unweit von der Hauptstadt Kabul entfernt, nur noch den Ausweg darin seine drei Monate junge Tochter zu verkaufen. Dafür erhielt der Familienvater 140 US-Dollar. Die Mutter des Kindes, welche nicht genannt werden möchte, war über den Verkauf der Tochter nicht vorab informiert worden. Erst als der Vater das Kind verkaufte, erfuhr sie davon.

Trotz ihres anhaltenden Kummers, verstand die Mutter weshalb ihr Mann zu solch einer drastischen Maßnahme greifen musste. “Wir hatten nichts zu Essen, keine Möglichkeit unser Haus über den Winter zu beheizen und sind zudem seit bereits vier Monaten mit der Miete im Rückstand”, sagte sie dem Journalisten von CBS News.

Schockiert von der schwere Notlage der Familie, sammelten die Bekannten und Nachbarn der Familie in der örtlichen Gemeinde Geld und Spenden um das Baby wieder zurück zu kaufen und der Mutter zurück zu führen, was letztlich auch zur Freude der Familie und der Mutter geschah. Aber ihre Sorgen sind damit nicht vorbei.

Der Vater des Kindes verschwand kurz nach dem Vorfall und wurde in ein Kabuler Krankenhaus zur stationären Behandlung und Beobachtung eingewiesen. Die Mutter sagte, dass der Stress und die Verzweiflung über deren Armut den Vater an seine mentalen Belastungsgrenzen brachte, bevor er sich dazu entschloss das gemeinsame Kind heimlich zu verkaufen.

Kinderhandel ist in Afghanistan von Gesetzes wegen verboten und sollten die Behörden die Ermittlungen gegen ihn aufnehmen, so droht ihm eine langjährige Haftstrafe. Bisher gibt es jedoch keine Anzeichen dafür das die Strafverfolgungsbehörden die Ermittlungen aufgenommen hat. Das afghanische Innenminsterium hat sich auf Nachfrage von Heute nicht zu dem Fall geäußert.

Die internationale Kinderhilfsorganisation “Save the Children” teilte mit, dass auch wenn es keine statistische Erhebung hierüber gibt, solche Fälle von Kinderverkäufe meist aus der finanziellen Not heraus, häufig in Afghanistan vorkommen.

“Armut ist die Hauptursache hierfür”, sagte Christine Röhrs, Sprecherin der Organisation Save The Children in Afghanistan, gegenüber CBS News. “Es sind im Grunde die Eltern, die einfach nicht genug Geld haben um ihrer Familie ausreichen Essen zu kaufen, Feuerholz zu kaufen oder gar die wenigen Medikamente zu kaufen um ihre Kinder am Leben zu halten. Und dann stehen sie irgendwann endgültig vor der schrecklichen Entscheidung eines ihrer Kinder zum Wohle der restlichen Familie abzugeben, zu verkaufen. Ich denke für viele Eltern, die in diese Situation geraten und das dann auch tun, sehen darin ihren einzigen und letzten Ausweg. Sie haben einfach keine anderen Möglichkeiten und Mittel ihre Lebenssituation zu verbessern.”

Afghanistans strenger Winter wird insbesondere den Überlebensdruck auf die armen Familien noch mehr erhöhen.

“Diese Fälle mehren sich insbesondere im Winter, wenn die Lebensbedingungen für die armen der Bevölkerung noch unerträglicher werden”, sagt Röhrs. “Es ist kalt, die Kinder werden krank, geringe Beschäftigungsmöglichkeiten, fallende Löhne und Einkommen und zudem ist der Zugang zu Nahrungsmittel erheblich eingeschränkt. Alles bedingt durch den harten Winter. Es kommt dann zu der sehr schwierigen Entscheidung und letztlich tun sie es dann weil ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit keinen anderen Ausweg zulässt.”

Zusammen mit anderen Institutionen hat “Save the Children” ein Kinderschutznetzwerk aufgebaut, welches vor allem in den abgelegenen und ärmlichsten Regionen Afghanistans aktiv ist. Ziel dieses Netzwerkes ist es, rechtzeitig gravierende Notstände in den Familien zu erkennen und Hilfe anzubieten bevor eine Familie zu solchen Maßnahmen wie etwa dem Kindsverkauf greifen muss. Bereits erste Erfolge des Netzwerkes konnten erzielt werden, so zum Beispiel in einem ähnlichen Fall, bei welchem der Familienvater sein krankes Baby bereits an ein kinderloses Ehepaar verkaufte und mit Hilfe des Kinderschutznetzwerkes zurück geführt werden konnte.

Bei aller Prävention und Aufmerksamkeit, werden dennoch leider nicht alle Fälle von Kinderhandel durch die Behörden oder karitativen Einrichtungen aufgedeckt werden.

“Es ist halt etwas was die Familien so geheim wie möglich halten wollen”, erklärt Röhrs. “Es handelt sich auch nicht um ein ‘Gewerbe’, sondern um eine Übereinkunft zwischen zwei Familien und wenn Konsens darüber herrscht, gibt es auch keine Veranlassung sich darüber zu beschweren. Diese Fälle geschehen vor allem in den sehr ärmlichen Regionen des Landes, dort wo auch die staatliche Überwachung auch am schwächsten ist.”

Das Leben ist hart für die Kinder in Afghanistan und nicht wenige überleben ihre jungen Jahre. Dank der ausländischen Hilfe welches seit nun knapp über einem Jahrzehnt in das Land fließt, konnte die Kindersterblichkeitsrate um geschätzte 50% reduziert werden, dennoch sterben laut Save the Children jeden Tag 287 Kinder in dem vom jahrzehntelangen Krieg zerrissenen Land.

Für die Mutter in Parwan, die nach nur ein paar Tagen ihr Kind glücklicherweise wieder zurück bekommen konnte, ist der Kampf ums Überleben noch lange nicht zu Ende. Die Familie muss nach wie vor einen Weg finden ihre sechs Kinder zu versorgen, womöglich nun auch mit der zusätzlichen Belastung keinen Familienvater zu haben, der Einkommen sicher stellen könnte.

Originalartikel in englischer Sprache:
CBS News – Desperation drives Afghan Dad to sell his Baby

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